Leaving Spirit & Zeremony

Konzertbericht: Leaving Spirit & Zeremony @Immerhin Würzburg, 20/07/2019

23 Juli


Es war eine großartige Nacht im Zeichen des Blues Rock, der herzerwärmenden Freude, des Tanzes und angeblich auch des Bieres. Gut gelaunt und bierselig ging es also durch die heiße Abendluft in Richtung der Katakomben des Immerhins, denn es war Zeit, die Release Party von Zeremony's zweiter Platte "Cosmic Dystopia" zu zelebrieren.

Als Support standen die jungen Talente von Leaving Spirit auf dem Programm. Mein erster Gedanke war: ganz schön voll auf der Bühne! Mit drei Gitarren, einem Bass, dem Schlagzeug und der Sängerin war nicht mehr viel Luft auf der Stage. Aber das hat das Sextett nicht davon abgehalten, ordentlich die Stimmung einzuheizen.



Leaving Spirit aus Würzburg haben mit viel Echo und Delay das Publikum binnen weniger Takte direkt in die Sechziger katapultiert. Nostalgie? Fehlanzeige! Die Band hat den Sound des wilden Zeitalters in junger und frischer Manier neu aufgelegt, und mit einer unschlagbaren Harmonie auf den Putz gehauen. Der erste Höhepunkt wurde mit dem Beatles Cover "Come Together" erreicht, und es sollten noch viele folgen.

Leaving Spirit haben einfach immer wieder einen draufgesetzt. Zwischendrin hatte die Sängerin ein Instrument in der Hand, das ich für eine Mandoline halte (ich lasse mich hier gerne korrigieren). Es klang sehr schön. Für die eingefleischten Fans der Band gab es den Song "Girl on a Train". Da ich ab jetzt auch dazugehören will, freue ich mich auf die nächste Gelegenheit, diesen Track von Leaving Spirit zu hören.

Ich würde den Stil grundsätzlich als bodenständig ehrlichen Blues bezeichnen. Hier und da ist etwas Southern Rock drin, und die Band sorgt immer wieder für kleine Überraschungen, wie auch den "Refridgerator Blues", der mir sehr gefallen hat. Außerdem ist es nur angemessen, dem Proberaumkühlschrank mal etwas zu widmen. Einer meiner Höhepunkte zum Ende des Auftritts war "Both of us"; auch weil der vorderste Gitarrist dabei eine Art Hawaii Gitarre auf den Knien liegen hatte. Auch hier bin ich für Verbesserungen meiner mangelnden Instrumentenkenntnis offen.

Was gibt's noch zu sagen? Leider konnte man den Bassisten kaum sehen. Er hatte ein Shirt mit einem Bären drauf an. Am 31. Juli spielen Leaving Spirit in der Marina Hafenbar in Würzburg. Save the date!



Nach einer kleinen Pause bei Ziga... Atemluft und Bier sollte es dann so weit sein, dass Zeremony loslegen. Und was für ein Brett die drei da zusammengeschraubt haben!

Nicht nur dass sich Zeremony seit ihrem Debütalbum "Soul of the Zeremony" nochmal um 500% gesteigert haben. Das ist wirklich das non plus ultra im Blues Rock.

Zeremony haben ein paar alte, aber vor allem neue Songs präsentiert. Und genau hier merkt man, in welchen Bereichen sie sich neu erfunden haben. Neben dem Blues Rock, dem sie nach wie vor treu sind, wurde eine ganze Palette an neuen Einflüssen eingepackt. Da ist neuerdings viel mehr Progressive Rock, eine ordentliche Portion Heavy Metal im Stile alter Scorpions, und ab und zu hatte die Stimme einen Hauch von Michale Graves.

Es gibt so viel über dieses Konzert zu sagen, und so wenige Worte dafür. Zeremony sind für mich die Punk Rocker des Blues, deren Harmonie von Orgel und Gitarre jegliche Konvention sprengt. Und jedes Mal wenn man denkt, jetzt KÖNNEN sie einfach keinen größeren Knaller mehr zünden, lächeln die drei und zeigen, dass sie erst anfangen. Nennt es wie ihr wollt, für mich ist das innovativer New Blues Prog.

Im weiteren Verlauf kam es dann noch zu einer Hommage an "2001, Odyssee im Weltall", mit zwei Gastsängerinnen, weißem Rauschen, einer Querflöte, einem Gitarrensolo inmitten des Publikums, und einem Percussion Solo, das seines Gleichen sucht. Zeremony haben den Abend mit einem Gruß an die niederländischen Blues Rocker Focus beendet. Die letzten Töne klingeln immer noch in meinen und ich bin überzeugt, lange nicht mehr so ein von vorne bis hinten überzeugendes und großartiges Konzert erlebt zu haben.

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